Interview mit Walter Mehring zu seinem Buch „Die verlorene Bibliothek“

1955 führte Hans Henjres für Radio Bremen ein Interview mit Walter Mehring zu seiner „verlorenen Bibliothek“. Unter dem Titel „Das Unbestechliche des Gefühls – ein Interview mit Walter Mehring“ ist es glücklicherweise im Archiv des Senders online abrufbar. Es dauert leider nur 10:01 Minuten, aber es sind spannende, aufregende Minuten.

Für Hans Henjres ist „Die verlorene Bibliothek“, zuerst 1951 in New York auf Englisch erschienen, „das interessanteste Dokument der vergangenen beiden oder drei Jahrzehnte. Es ist der Versuch etwas Verlorenes dadurch wiederzugewinnen, daß man es im Geiste beschwört und bezeichnet, also in der Bedeutung des Wortes tatsächlich ‚ein Zauber, ein Wunder, eine Beschwörung‘.“

Auf die Frage „Warum mußten Sie es schreiben?“ antwortete Walter Mehring: „Ich habe einen Verlust gehabt. Der Verlust war der Verlust meines Vaters, der Verlust einer Bibliothek, die von meinem Urgroßvater, Großvater, meinem Vater zunächst zusammengestellt war. Es war der Verlust meiner Erbschaft. Was kann ich aus einem Verlust positiv machen, was kann ich daraus machen, daß ich sage, es ich nicht mehr vorhanden, ich habe es verloren. Statt das negativ auszudrücken, wollte ich es postiv ausdrücken. Nun also hast du nicht mehr die Bücher, wenn du aber die Bücher begriffen hast, dann müssen sie in dir sein, und du mußt sie ja verarbeitet haben. Also, mach aus dem Verlust einen Gewinn.“

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